Was  ist  Achtsamkeit?

 

Achtsamkeit ist eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Es handelt sich dabei um einen klaren Bewusstseinszustand, der es erlaubt, jede innere und äußere Erfahrung im gegenwärtigen Moment vorurteilsfrei zu registrieren und zuzulassen.

Mit zunehmender Achtsamkeit reduzieren sich gewohnheitsmäßige automatische und unbewusste Reaktionen auf das gegenwärtige Erleben, was zu einem hohen Maß an situationsadäquatem, authentischem und selbstbewusstem Handeln führt.

Was bewirkt eine Achtsamkeitspraxis?

Wer achtsam lebt, stellt fest, dass sein Empfinden von Glück und Lebensfreude nicht von äußeren Bedingungen abhängig ist. Er entwickelt einen klaren, stabilen Geist, der es ihm erlaubt, auch in schwierigen Lebenszeiten und Situationen mit der Kraft seiner inneren Ressourcen verbunden zu sein.

 

Im Einzelnen hat das verschiedene Auswirkungen:

  • Ein klareres Verständnis bezüglich seiner selbst und hinsichtlich des eigenen Lebens
  • Zugang zu den eigenen inneren Ressourcen finden und selbstgesteckte Grenzen erweitern
  • Beruhigung und Stabilisierung des Geistes: Nicht mehr von Gedankenströmen „aufgefressen“ werden
  • Sich psychisch-emotionalen Belastungen, Stress-Situationen und widrigen Lebensumständen besser gewachsen fühlen
  • Mit sich selbst geduldiger sein und sich besser akzeptieren
  • Weniger ängstlich, seltener deprimiert sein
  • Impulskontrolle entwickeln: Nicht mehr so oft heftig aufbrausend sein
  • Negative Emotionen in sinnvolle Kanäle lenken
  • Selbstbestimmter und selbstbewusster handeln
  • Freundlich aber bestimmt Grenzen setzen
  • Mehr Gleichgewicht, Stabilität, Souveränität und Lebensfreude entwickeln und diese auch angesichts schwieriger Situationen oder Lebensumstände behalten

Quelle: Was ist Achtsamkeit? | DFME - Deutsches Fachzentrum für Achtsamkeit. (Abruf: 2019-02-20).

YOGA UND ACHTSAMKEIT

 

Wenn Yoga mit Achtsamkeit verbunden wird, kann die Kraft der Übungen voll ausgeschöpft werden und es kann auch nach der Yogastunde noch im Alltag von einer gelassenen und kreativen Haltung profitiert werden. Die Körperwahrnehmung wird verfeinert und es wächst eine größere Sensibilität für das geistige Erleben, was sich in vielen unterschiedlichen Lebensbereichen bezahlt macht.

 

Auch wenn manche klassischen Asanas (Körperhaltungen) überaus kunstvoll und beinahe schon schmerzhaft aussehen, geht es beim Einnehmen der Körperhaltungen nie darum, irgendein Ziel zu erreichen oder eine bestimmte Leistung zu erbringen. Wenn Du Dich also für Yoga entscheidest, solltest Du den Leistungsgedanken aufgeben und Dich auch nicht mehr darum sorgen, wie Du beim Einnehmen einer bestimmten Asana aussiehst. Yoga praktizierst Du nicht für die anderen, sondern für Dich selbst.

 

Die Yogapraxis ist ein hervorragendes Mittel, um Deinen Körper neu zu erfahren und innere Freiheit zu erlangen, und wenn dabei irgendwann auch eine kunstvolle Verknotung verschiedener Körperteile gelingt, so ist dies ein schöner Nebeneffekt, aber kein Selbstzweck.

 

Beim achtsamen Yoga geht es also darum, alle Asanas und Übungsabfolgen besonders bewusst auszuführen und dabei gleichzeitig immer in den eigenen Körper hinein zu hören. Die innere Haltung sollte beim Praktizieren offen und unvoreingenommen sein, und es sollte nicht zwischen angenehmen und unangenehmen Empfindungen unterschieden werden.

 

Deine Aufgabe ist es, alle Gefühle wahrzunehmen, die auftauchen, und ebenso alle Gedanken zu registrieren, die Dir durch den Kopf gehen. Versuche, eine wohlwollende und interessierte Aufmerksamkeit zu kultivieren, die unangenehmen Erfahrungen nicht zu bewerten, sondern einfach neutral zur Kenntnis zu nehmen. 

Falls Du also beim Einnehmen und Halten einer Körperposition Spannung oder Zug oder gar Schmerzen wahrnimmst, solltest Du diese wohlwollend in Deine Aufmerksamkeit einschließen und behutsam mit Deinem Körper umgehen, um ihn nicht zu überlasten.

Praktiziere Yoga stets nur im Rahmen Deiner Möglichkeiten. Gleiches gilt, wenn eine Bewegungsabfolge einmal nicht wie gewünscht klappt. Registriere Deinen aufsteigenden Unmut oder Zorn und probiere es mit einer gelassenen Haltung einfach noch einmal.

 

Gerade für Menschen mit chronischen Schmerzen oder Einschränkungen im Bewegungsapparat ist achtsames Yoga ideal, da sie hier ohne Druck ausprobieren können, was ihnen gut tut und dabei bewusst die Grenzen zu akzeptieren lernen, die ihnen ihr Körper aufzeigt.

Zu einer achtsamen Yogapraxis gehört, mit den Gedanken stets bei der aktuellen Aufgabe zu bleiben. Achtsam Yoga zu praktizieren bedeutet, einer Automatisierung von Bewegungsabläufen entgegen zu wirken und jede Bewegung und Gewichtsverlagerung ganz bewusst auszuführen. 

Falls Du also bemerkst, wie Deine Gedanken in die Vergangenheit oder Zukunft abschweifen, beobachte dies und lenke Deine Aufmerksamkeit immer wieder sanft zu Deinem Körper zurück. Verurteile Dich aber niemals für Unaufmerksamkeit, sondern gratuliere Dir im Gegenteil jedes Mal dafür, dass Du das Abschweifen bemerkt hast und zu Deiner Aufgabe zurückgekehrt bist. 

Bedenke dabei, dass völlige Gedankenfreiheit nicht unbedingt das Ziel des achtsamen Yogas oder der Meditation sein muss. Auch Menschen, die seit vielen Jahren oder Jahrzehnten täglich meditieren, berichten, keine Kontrolle über ihre Gedanken zu haben. 

Dies ist aber auch gar nicht nötig, da es bei der Achtsamkeit viel eher um die Haltung geht, mit der wir unsere Gedanken beobachten. Und diese sollte geprägt sein von Wohlwollen und Interesse, auch für schwierige Inhalte, und von einer wertfreien Einstellung gegenüber allem, was in unserem Geist an die Oberfläche kommt.

 

So kannst Du Yoga in einer achtsamen Weise praktizieren, die Deinen Geist und Körper stärkt und heilsame Prozesse fördert. Doch der eigentlich interessante Bereich beginnt, sobald wir die Yoga-Matte verlassen ... :)